Prospektion und Flächengrabung Siedlung und Gräberfeld Ganderkesee

Eine Siedlung, ein Platz zur Verhüttung von Eisen, zwei Gräberfelder und eine Feuerstellenreihe fanden wir bei umfangreichen Ausgrabungen zwischen den Jahren 2012 und 2014 in Ganderkesee (Landkreis Oldenburg). Die Siedlung geht bis in die Eisenzeit zurück.

Wegen der Nähe zu einer archäologischen Fundstelle ordneten die Behörden die Prospektion und Ausgrabung eines künftigen Gewerbegebietes an. Trotz eines bei den Grabungen auftauchenden Gräberfeldes, des zum Teil sehr schlechten Wetters und parallel laufenden Untersuchungen auf Bomben-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, gingen die Grabungen auf dem 20 Hektar großen Areal schnell voran.  Das lag auch an dem rollierenden Ausgrabungsverfahren, durch das Personal und Maschinen optimal eingesetzt wurden.

Mehr als 6500 Befunde
In mehr als 300 Arbeitstagen stießen wir auf etwa 6500 Befunde. Die angelegten Profile wurden auf über 180 A3-Zeichenblättern maßstabsgerecht gezeichnet und in über 15.000 Fotos dokumentiert. Insgesamt waren 26 Mitarbeiter, darunter Grabungstechniker, Archäologen, Vermessungsingenieure, Historiker oder Biologen im Einsatz. Die Öffentlichkeit wurde zu mehreren Informationsveranstaltungen und in etwa 30 Presse- und Fernsehberichten über das aktuelle Geschehen informiert.

Mit unseren Grabungen haben wir nachgewiesen, dass bereits zur Eisenzeit (8. und 7. Jahrhundert v. Chr.) bis in die Zeit um Chr. Geb. Menschen im Gebiet des Ganderkesee siedelten. Auch dass die Menschen über viele Jahrhunderte diesen Siedlungsplatz nutzen, haben wir herausgefunden. Eine Nutzung des Siedlungsplatzes über einen längeren Zeitraum hinweg ist unbestritten. Neben zwölf größeren Grundrissen von Wohnhäusern wurden weitere 64 Befundkomplexe dokumentiert, die als Nebengebäude interpretiert werden. Es handelt sich unter anderem um kleine Speichergebäude, Arbeitshütten oder Ställe. Palisadenartige Pfostenreihen deuten auf Gehöftbegrenzungen oder Zäune.

Bestattungsplatz nahe der Siedlung
In Ganderkesee tritt der in der Archäologie seltene Fall auf, dass auch ein Bestattungsplatz in unmittelbarer Nähe zur Siedlung gefunden wurde. Es handelt sich um Brandbestattungen, bei denen die verbrannten Knochen, teilweise noch mit erhaltenen Beigaben, in eine Urne aus Keramik oder aus organischem Material lagen. Letztere haben sich in Ganderkesee weitestgehend nicht erhalten. Die Befunde, die als Urnengräber, Gräber mit Leichenbrandnestern und urnenlose Brandgräber angesprochen wurden, waren ehemals teilweise überhügelt, worauf wenige kreisförmige oder ovale Strukturen verweisen.

Die beiden Gräberfelder, die jeweils noch einmal in zwei Gruppen unterteilt werden können, scheinen in Ganderkesee eine große Zeitspanne widerzuspiegeln: Sie datieren einerseits in die ausgehende Bronze- und beginnende Eisenzeit (8./7. Jh. v.Chr.), andererseits in die jüngere vorrömische Eisenzeit und die römische Kaiserzeit (Jahrhunderte um Christi Geburt). Es ist also anzunehmen, dass unter anderem die in den Gebäuden lebenden Menschen in Sichtweite auf den genannten Gräberfeldern bestattet wurden.

Mit der Flächengrabung von Ganderkesee konnte eine für die Region einmalige Siedlungs- und Bestattungslandschaft aufgedeckt werden, die für die Erforschung der Region und auch Nordwestdeutschlands wichtige Erkenntnisse erbringen wird.

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