denkmal3D erhält Bremerhavener Wahrzeichen für die Nachwelt

Daten sollen digitaler Rekonstruktion des berühmten Segelschiffs Seute Deern dienen
Ein Feuer und ein anschließender Wassereinbruch führten im vergangenen Jahr zur Katastrophe: Das Wahrzeichen Bremerhavens, die Seute Deern, sank. Nun ist klar: Die Dreimastbark bleibt in digitaler Form der Nachwelt erhalten. Der Vechtaer Vermessungstechniker Volker Platen, Geschäftsführer des Archäologie-Dienstleisters denkmal3D, benötigte mit seinem Team nur einen Tag, um mit moderner Laserscan-Technik umfangreiche Daten von der Seute Deern zu erfassen.

„Eine Sanierung des Schiffes wäre nicht verhältnismäßig“, sagte Professor Georg Skalecki, Landeskonservator im Bremer Landesamt für Denkmalpflege, bei einem Pressegespräch vor zahlreichen Medien im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte. Das Schiff sei so marode, dass ohnehin nur ein Nachbau möglich sei.

Doch darüber ist noch nicht entschieden. Dr. Lars Kröger vom DSM freut sich, dass der Bund derzeit 267.000 Euro für die digitale Dokumentation und die Bergung von Einzelteilen und deren Restaurierung zur Verfügung stellt. „Wir haben alle Daten gesichert, um später einen virtuellen Rundgang über das Schiff oder ein 3D-Modell für unsere Besucher zu erstellen“, sagte der Projektleiter Museumshafen. Und auch für einen möglichen Nachbau seien die Daten die wichtigste Grundlage.

Vier Milliarden Messpunkte
Rund um das Schiff haben Platen und seine Kollegen Zentimeter für Zentimeter gescannt. Vier Milliarden Messpunkte erstellten die Scanner, die etwa so groß sind wie Toaster und sich auf einem Stativ um die eigene Achse drehen. 250 Scans kamen bei der Seute Deern zusammen. So entstand ein genaues Bild vom Ist-Zustand des Seglers. Aus den Scans lassen sich detaillierte dreidimensionale Konstruktionspläne und sogar fotorealistische Farbaufnahmen erstellen.

Für Volker Platen, war es ein besonderer Auftrag. „Ein so berühmtes Segelschiff haben wir noch nie gescannt“, sagt der Vechtaer. Die Mitarbeiter gingen teilweise mit Atemschutz unter Deck, um nicht durch die Feuchtigkeit entstandene Schimmelpilz-Sporen einzuatmen. In einigen Räumen des Schiffes konnten sie deshalb überhaupt nicht messen.

Das Problem hat Platen bei den Luxusyachten, die er scannt, weil sie umgebaut werden sollen, nicht. Auch die Frankfurter Paulskirche, das mittelalterliche Schloss Burg bei Solingen und etliche Industrie-Anlagen wie auf dem ehemaligen Kellogg-Gelände in Bremen hat denkmal3D schon digital dokumentiert. „Ob ich ein Streichholz scanne oder ein riesiges Gebäude, spielt fast keine Rolle“, sagt Platen.

Verfahren ist bei historischen Schiffen selten

Dabei kennt die Technik kaum noch Grenzen. Die Scanner erfassen innerhalb einer Sekunde Millionen Messpunkte. Es entstehen innerhalb kurzer Zeit Gigabyte große Datenmengen. Für den Ansatz, moderne Vermessungstechnik und Archäologie zusammen zu bringen, hat der Verbund Oldenburger Münsterland denkmal3D zum „Gründer des Jahres 2011“ gekürt.

Mittlerweile gehört das digitale Dokumentieren in der Denkmalpflege zum Standard. Doch von historischen Schiffen gibt es seltener digitale Vermessungen. Bei der Seute Deern gab es keine andere Wahl. Sie wird demnächst zurückgebaut. Wann es soweit ist, weiß Lars Kröger vom Schifffahrtsmuseum noch nicht. Aber eins steht fest: Volker Platen und seine Mitarbeiter sind dann wieder dabei, um die bislang unzugänglichen Teile zu scannen.

INFO
Die Seute Deern

Im Jahr 1919 wird das Wahrzeichen Bremerhavens in den USA als Holztransportschiff gebaut. 1938 kauft ein Hamburger Reeder die Seute Deern und baut sie zur Dreimastbark um. Während der NS-Zeit dient sie als Schulungsschiff für Seeleute. In den 1960er-Jahren wird die Seute Deern zum Gastronomieschiff umgebaut und erhält im Alten Hafen in Bremerhaven ihren Liegeplatz. Die Dreimastbark wird Schauplatz vieler Hochzeiten und Familienfeiern und sichert sich einen festen Platz im Herzen der Bremerhavener. Im Jubiläumsjahr 2019 kommt es im Restaurant an Bord zu einem Schwelbrand. Während das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven noch die Sanierung des ohnehin maroden Seglers prüfen, versagt eine Pumpe auf dem undichten Schiff. Die Seute Deern sackt zwei Meter tief ab und bleibt im Schlick stecken.

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